Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtet heute über einen weiteren Kartenbetrug im großen Stil. In Elliehausen bei Göttingen gelang es technisch hochversierten Betrügern, die Karten-Terminals in der Gärtnerei Reinecke zu manipulieren. Wie die Polizeisprecherin Jasmin Kaatz gestern mitteilte, versetzte die Manipulation die Täter in die Lage, Kartendaten und Geheimzahlen (PINs) bei electronic cash-Bezahlungen mit ec-Karte mitzuschneiden.
Die Daten wurden dann über eine eigens eingebaute Funkeinheit vermutlich per Bluetooth an die Betrüger weitergeleitet.
Mit den erbeuteten Daten können Betrüger Karten-Duplikate erstellen, und dank des Wissens um die Geheimzahl die Konten der geprellten Kunden bequem am Bankautomaten leerräumen. Wie auch in ähnlichen bekannt gewordenen Fällen wurden die Abhebungen dabei ausschließlich im Ausland vorgenommen. Für die Diebe birgt das Ausland ein geringeres Risiko der Entdeckung:
- Die Abbuchungen erfolgen dabei teilweise zeitversetzt. Ehe also die Konten belastet werden, sind die Verbrecher schon weitergezogen.
- In Ausland finden sich noch häufiger Bankautomaten, die nicht per Video überwacht werden.
- Im Ausland finden sich noch häufiger Bankautomaten, die ein bestimmtes schwer zu fälschendes Sicherheitsmerkmal der ec-Karten nicht auswerten.
Umstritten ist ein weiterer potentieller Sicherheitsnachteil. Im Ausland kommt nicht das electronic cash-Verfahren, sondern das Maestro-Verfahren zum Einsatz. Bei diesem Verfahren vermuten Experten ein vergleichsweise größeres Betrugspotential, da die Sicherheitsmaßnahmen für das Maestro-Verfahren in Theorie oder Realität nicht in jedem Land so streng sind, wie die Sicherheitsmaßnahmen für das electronic cash-Verfahren in Deutschland. Die Angriffe auf POS-Terminals erfolgen dabei offenbar in großem Umfang. Die Sprecherin des Bundeskriminalamts Anke Schwalbach weist auf vergleichbare Fälle in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg hin.
Betroffen sind etwa 300 Kunden, die Schadenssumme wird auf eine halbe Million Euro geschätzt. Glück im Unglück für die Kunden: der Schaden wird ihnen ersetzt.
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