In der Folge des etwaigen
OLV-Datenmissbrauchs bei easycash rücken nun auch die Bonuskarten ins Zwielicht. Der lokale Radiosender NDR Info berichtetete gestern unter dem Titel
"Der Big Brother von Hamburg-Lokstedt" über die Praktiken der der
Easycash Loyalty Solutions. Kartendaten werden offenbar in weit größerem Umfang gesammelt, gespeichert, ausgewertet und vermarktet, als bisher vermutet wurde. Die Medienberichterstattung über diese offenbar gängige Praxis nimmt lawinenartige Ausmaße an. Beim Stern etwa heißt es:
"Datenmissbrauch: Easycash bietet dem Handel EC-Kartendaten an". Was ist an der Sache dran?
Gläserne Kunden sind nichts neues?
Nichts neues, eigentlich? Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind prinzipiell längst darüber informiert, in welch großem Maße die Handelsunternehmen auswerten, wie, wo, wann und für was sie eine Bonuskarte einsetzen. Nicht ohne Grund muten die Anträge zur Ausstellung einer Bonuskarte ja wie Anträge für einen Kredit an, und nicht ohne Grund werden die Datenschutzgefahren durch die Nutzung von Loyalty-Karten auch breit in der Presse thematisiert. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben demnach kein Problem damit, ihre persönlichen Daten dem Handel zur Vefügung zu stellen, oder schätzen die Vergütungen der Bonuskartenprogramme als akzeptablen Tausch ein.
Gläserne Karteninhaber aber schon
Die Kritik richtet sich denn auch weniger gegen die Kundenkarten an sich, sondern vielmehr gegen die Verbindung der Daten aus Bezahlkarten und Kundenkarten. Mit der Kombination der beiden Daten kann ein Unternehmen wie die Easycash Loyalty Solutions eine Girocard oder Kreditkarte nicht nur mit einzelnen Shopping-Artikeln, Shopping-Zeitpunkten und so weiter in Verbindung bringen, sondern auch mit konkreten persönlichen Daten einer Person (Name, Anschrift, Alter, usw). Die Daten können damit insgesamt handelsübergreifend zu einzelnen Kundenprofilen verdichtet werden, die dann theoretisch selbst bei einer Zahlung ohne Bonuskarte weitergeführt werden können.
In anderen Worten: die Verbraucherinnen und Verbraucher können bei einer Kartenzahlung nicht mehr kontrollieren, wann sie ihre Daten einem Bonusprogramm zur Verfügung stellen. Einmal mit Karte und Bonuskarte bezahlt, ewig gefangen. Wenn Sie selbst auch nur einmal bei einer Zahlung mit Ihrer girocard auch Ihre Payback-Karte eingesetzt haben müssen Sie nun befürchten, dass in Ihrem Datenprofil auch dann Einkaufsdaten gesammelt werden, wenn Sie ausschließlich Ihre girocard benutzen. Selbst wenn das bei einem anderen Händler ist. Kein Wunder, dass sich die Easycash die Daten teuer bezahlen lässt: nach dem Bericht des NDR würden Unternehmen der ECLS bis zu fünf Euro je Datensatz bezahlen.
Es ist sehr zu bezweifeln, ob es für die Verbindung von Bonuskartendaten mit Bezahlkartendaten rechtliche Grundlagen gibt. Aber selbst wenn, wäre das ein unhaltbarer Zustand. Das mühsam aufgebaute Vertrauen zur Kartenzahlung liefe durch solche Geschäftspraktiken Gefahr verlustig zu gehen.