Die Einführung des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums SEPA ist beschlossene Sache. Darüber verständigten sich heute abschließend die EU-Finanzminister in Brüssel. Demnach gelten folgende Regelungen:
- Ab 2008 erfolgen grenzüberschreitende Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zu den gleichen Konditionen, wie nationale.
- Ab 2008 werden nationale Bankkarten an jedem Bankautomaten in der EU akzeptiert.
- Ab 2008 werden Überweisungen bereits zum Ablauf des folgenden Werktages ausgeführt. Bislang sind in Deutschland drei Werktage üblich.
- Ab 2008 dürfen auch private Unternehmen ohne Bank-Lizenz Kleinkredite vergeben. Zur Bedingung für diese Kredite wird allerdings eine Tilgung innerhalb von 10 bis 12 Monaten gemacht werden. Die Nichtbanken müssen je nach Art ihrer Dienstleistungen ein Eigenkapital von 20.000 bis 125.000 Euro hinterlegen.
- Ab 2010 sind nationale Kontonummern ungültig. Auch für nationale Überweisungen müssen dann internationale Kontonummer (IBAN) und internationale Bankleitzahl (BIC) genutzt werden.
- Ferner steht SEPA auch für die EU-weite Einführung neuer Bezahlarten offen. Denkbar wären z.B. Bezahldienste per Handy.
Die Eckdaten der Einigung sollen im April 2007 in der
Payment Services Directive (PSD) festgehalten werden. Die Richtlinie wird dann von den Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2010 in nationales Recht umgesetzt. Bis dahin wäre die Regelung denn auch für die Banken streng genommen unverbindlich.
Auf den ersten Blick liegt die Vermutung nahe, dass die Bürgerinnen und Bürger der EU finanziell profitieren werden, weil die hohen Auslandsgebühren entfallen. Die EU-Kommission rechnet denn auch mit sinkenden Kosten für die Verbraucher. Teuer wird die Reform sicherlich für MasterCard, deren Goldesel Maestro eine immer untergeordnetere Rolle spielen wird. Es gibt aber auch andere prominente Skeptiker, wie etwa die öffentlichen Verwaltungen Deutschlands. Sie wollen ihre Systeme erst umstellen, wenn sich damit nachweisbar Einsparungen oder handfeste Verbesserungen erzielen lassen. Auf den zweiten Blick können ja schließlich auch Zweifel aufkommen. Die Kosten zur Einführung beziffern die Banken in der gleichen Größenordnung, wie die Kosten zur Einführung des Euro. Sie würden im einfachsten Fall auf die Verbraucher umgelegt, so dass letztlich die niedrigen Auslandsgebühren durch verteuerte Inlandsgebühren gegenfinanziert wären. Viele hätten dann nur im Urlaub einen Vorteil durch SEPA.
Siehe auch:
-> SEPA-Kompromiss in greifbarer Nähe,
-> Glossar SEPA,
Artikel FAZ 27.3.2007